Stand der geweihten Jungfrauen in Österreich

(Zusammenfassung der Antworten auf spezifische Fragen, die für das Internationale Treffen in Rom 2008 erstellt worden sind.)

In der Folge des II. Vatikanischen Konzils wurde der Ritus für die Jungfrauenweihe überarbeitet und wieder Frauen zugänglich gemacht, die „in der Welt“ leben und keiner Ordensgemeinschaft angehören.

Seit dieser Zeit haben auch in Österreich Frauen, die diese Lebensform als ihre Berufung erkannt haben, die Jungfrauenweihe empfangen. Derzeit gibt es mehr als 30 Geweihte Jungfrauen in Österreich, von denen 3 im Verborgenen leben. Es kann sein, dass es einige mehr sind, da die Jungfrauenweihen nicht von Anfang an in allen Diözesen registriert worden sind.

Frauen, die diesen Weg gehen, haben den Wunsch, in einer von der Kirche anerkannten Form den Bund mit Christus zu schließen, Ihn zu lieben und Ihm zu dienen, und damit fruchtbar für die Kirche zu sein und am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken.

Das Durchschnittsalter derjenigen, die die Jungfrauenweihe erbitten, liegt bei 35 Jahren, aber es gibt auch Kandidatinnen, die aus verschiedenen Gründen ein höheres Alter haben.
Die Zulassung und Spendung der Jungfrauenweihe liegt in der Verantwortung des jeweiligen Diözesanbischofs, außerdem hat die Österreichische Bischofkonferenz ‚Empfehlungen für die Spendung der Jungfrauenweihe’ herausgegeben. In diesen wird auf Zulassungsbedingungen und auch auf die Vorbereitung der Kandidatinnen Bezug genommen.

Der Weg einer geweihten Jungfrau umfasst mehrere Etappen. Zuerst geht es um die Klärung der Berufung zu dieser speziellen Form des geweihten Lebens. Erfahrungsgemäß kommt dabei die größte Unterstützung vom persönlichen geistlichen Begleiter, aber auch durch den Kontakt mit anderen geweihten Jungfrauen und durch die Auseinandersetzung mit Alternativen (z.B. das Mitleben in einem Kloster). Auch wird ein fester geistlicher Begleiter oder Beichtvater als eine der Voraussetzungen für den Beginn der Kandidatur genannt. In den meisten Diözesen nimmt sich auch der Bischof selbst dieser Unterscheidung an, worin er durch den jeweiligen diözesanen Beauftragten für das Geweihte Leben (z. B. Bischofsvikar) unterstützt wird.
Die Empfehlungen der Bischofskonferenz enthalten allgemeine Anhaltspunkte zur Ausbildung und Formung der Kandidatin, aber im Detail ist dieser Bereich jedoch den jeweiligen Begleitern/Mentoren der Kandidatur überlassen. Es werden zur Vorbereitung der Kandidatinnen auf die Jungfrauenweihe speziell folgende Bücher empfohlen: „Alt, aber nicht veraltet“ (Marianne Schlosser, 1992), „Bis du kommst in Herrlichkeit“ (Barbara Albrecht, 1985). Als weitere Unterlagen dienen die Empfehlungen der Österreichischen Bischofskonferenz (Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz, Nr. 39, 2005), der Ritus der Jungfrauenweihe bzw. allgemeine geistliche Literatur wie z.B. über das Gebet, die Heilige Messe, die Unterscheidung der Geister etc.

Ebenso wird betont, dass die Lebensweise der geweihten Jungfrau eine fortwährende Vertiefung dieser Berufung einschließt. Empfohlen werden regelmäßige Exerzitien, Zeiten der Stille und geistliche Begleitung. Im Wesentlichen liegt es aber in der Verantwortung jeder einzelnen, durch das Streben nach geistlicher Nahrung die „Flamme der Berufung“ am Brennen zu halten.
Da wir als geweihte Frauen als Einzelne mitten in der Welt leben, ist es wichtig, den individuellen Sendungsauftrag, den Christus für jede persönlich hat, zu hören bzw. zu erkennen und zu leben. Das geschieht primär durch Verfügbarkeit für den Herrn und seinem Willen. Die geweihten Jungfrauen sollen ein lebendiger Tabernakel Seiner Gegenwart sein und Ihn für die Menschen spürbar werden lassen als den Auferstandenen, den Lebendigen, den Allgegenwärtigen. Sie sind aufgerufen zum Beten des Stundengebets, Mitfeier der täglichen hl. Messe, soweit dies möglich ist, Bibelbetrachtung, Anbetung, Dienst an den Mitmenschen. Es gibt aber keine für den Stand spezifische übergreifende Regelung, wie unsere Berufung gelebt werden soll. Die Sendung einer geweihten Jungfrau ist es in erster Linie „Braut Christi“ zu sein und ihr Kennzeichen ist ein „Apostolat des Seins“ (siehe Barbara Albrecht).
Wir sind in den verschiedensten Berufen tätig, viele arbeiten ehrenamtlich im kirchlichen Bereich, z.B. als Pfarrgemeinderätin, Lektorin, Kommunionspenderin, andere im Dienst an Kranken und wieder andere sehen ihr spezielles Apostolat im Dienst des Gebetes und der Anbetung. So versuchen die geweihten Jungfrauen den Bund mit Christus in Treue und Liebe zu leben um damit ein Zeugnis der Glaubwürdigkeit und Transparenz zu sein.

In Österreich gibt es weder auf nationaler, regionaler oder diözesaner Ebene eine Vereinigung von geweihten Jungfrauen gemäß can. 604 §2, keine Zeitschrift oder Informationsblatt. Seit 2005 gibt es jährlich ein nationales Treffen mit einer Teilnehmerzahl von ca. 30 bis 40%. Es gibt kein Kommunikationsbüro; die Kommunikation erfolgt telefonisch, per E- Mail oder brieflich auf einer informellen Basis.
Einige der geweihten Jungfrauen in unserem Land haben auch Kontakte zu Ordensgemeinschaften oder anderen geistlichen Gemeinschaften z.B. sind einige Benediktiner-Oblatinnen, Mitglieder in der Legio Mariens oder in neuen Gemeinschaften und Gebetskreisen der charismatischen Erneuerung. Dadurch wird einerseits ein Mitgetragensein im Gebet und andererseits eine gegenseitige Bereicherung und Unterstützung erfahren.
Die geweihten Jungfrauen haben unterschiedlich intensiven Kontakt zum jeweiligen Diözesanbischof. Mit Ausnahme weniger Diözesen wird die Beziehung zum Bischof durch jährliche Treffen gepflegt. Zwei bis dreimal im Jahr finden Treffen der geweihten Jungfrauen mit dem jeweiligen Bischofsvikar bzw. dem diözesanen Beauftragten statt. In einigen Diözesen gibt es jedoch nach der Weihe keinen Kontakt mehr zum Bischof und in einigen Fällen ist es aufgrund des Alters oder bedingt durch Krankheit nicht mehr möglich, den Kontakt zu pflegen.
Wir sind dankbar, dass bei den Bischöfen eine grundsätzliche Offenheit gegenüber der Jungfrauenweihe herrscht.
Insgesamt ist es schön zu sehen, wie sich dieser Stand in Österreich entwickelt: es gibt immer wieder neue Berufungen und auch das Zusammenwachsen untereinander durch jährliche Treffen und regelmäßigen Austausch ist sehr positiv. Ein allgemeiner Wunsch ist es jedoch, dass dieser spezielle Berufungsweg der Jungfrauenweihe noch mehr bekannt wird, besonders in kirchlichen Kreisen.
Die Vorbereitungen für das Rom-Treffen im Jahr 2008 sind sehr gut aufgenommen worden. Internationale Treffen dieser Art geben Gelegenheit, einander kennen zu lernen, die eigene Lebensform in der Gemeinschaft zu stärken, Impulse und Erfahrungen/Informationen auszutauschen. Sie schenken die Erfahrung, im Herrn und im Gebet intensiv verbunden zu sein, eine neue Tiefe und Freude der Berufung geschenkt zu bekommen und das Bewusstsein, durch diese Berufung in der Weltkirche eingebunden zu sein.